Unsere Filmempfehlung:
„Halt auf halber
Strecke“
Von Andreas Dresen
Frank, Mitte Vierzig, hat gerade mit seiner Frau Simone und den Kindern ein Reihenhaus gekauft, als er erfährt, dass er innerhalb weniger Monate an einem inoperablen Gehirntumor sterben wird. Das
Urteil trifft die beiden wie ein Axthieb - stumm sitzen sie vor dem Arzt, der das Unfassbare detailliert, wortreich und fast hilflos verkündet. In ihren Gesichtern sieht man: Ohnmacht, Ungläubigkeit,
Trauer.
Knappe Zeit des Abschieds
Schon diese erste nüchterne Szene des Films packt denZuschauer: Was, wenn ich dort sitzen würde? Wie sagt man so etwas den Kindern? Wie gehen Frank (Milan Peschel),
Simone (Steffi Kühnert) und ihre zwei
Kinder mit dem raschen körperlichen und geistigen Verfall um? Dresen zeigt die knappe Zeit des Abschieds, den Alltag jener letzten Lebensmonate. Anfangs gelingt es Frank noch, trotz der Symptome
seiner Krankheit und der schweren Folgen von Bestrahlung und Chemotherapie zu sagen "Geht mir ganz gut." Doch bald fallen
ihm die Haare aus, sein Körper gehorcht ihm nicht mehr - er wird vergesslich und gebrechlich. Der Tumor drückt so sehr auf's Gehirn, dass sich auch seine Persönlichkeit verändert: Bisweilen ist er so
jähzornig, dass Simone es kaum noch ertragen kann. Und doch entscheidet sie sich, Frank zu Hause zu pflegen.
Schonungslos und realistisch Dresen zeigt alles: die Krampfanfälle, die Zornausbrüche, das Waschen und das Windeln, die extreme Belastung und Überforderung der Angehörigen - schonungslos und
realistisch.
Und gerade deshalb fühlt und leidet der Zuschauer mit. Aber "Halt auf halber Strecke" ist nicht nur Krebsdrama, sondern auch ein Liebesfilm. Die Familie steht
zusammen, unsentimental und pragmatisch hilft sie Frank, dem die Welt immer fremder wird. Es gibt Momente der Zärtlichkeit und Galgenhumor.
Dresens fast dokumentarischer Stil vermeidet alles, was auf dieTränendrüse drückt - und trifft den Zuschauer bis ins Mark. Das liegt auch an den großartigen
Darstellern, die so ungekünstelt spielen als würde man ihnen beim wahren Leben zuschauen. Vielleicht, weil es kein Drehbuch gab - alle Szenen sind improvisiert.
Vor allem Milan Peschel hätte für seine Leistung, bis an alle Grenzen zu gehen, jeden Preis verdient. Neben dem Schauspieler-Ensemble sind echte Ärzte, Pfleger und Therapeuten zu sehen.
In Würde sterben
Ein ehrlicher, herzzerreißender Film, der zeigt, dass das möglich ist: trotz Qualen in Würde sterben.
Andreas Dresen ist es gelungen, einen Film über den Tod zu machen, der uns auch das vermittelt: die Freude, am Leben zu sein.
Unsere Buchempfehlung:
„Damit ihr mich nicht
vergesst“
Die wahre Geschichte eines letzten Wunsches Autor: Albom, Mitch
Mitch Albom ist überrascht, als Albert Lewis, der betagte Rabbi seiner Heimatgemeinde in New Jersey, ihn darum bittet, bei seinem Tod die Trauerrede für ihn zu halten. Denn Mitch Albom hat den Bezug
zum Glauben schon lange verloren. Er willigt unter der Bedingung ein, den Rabbi besser kennenlernen zu dürfen. Und so erlebt er Albert Lewis während der kommenden acht Jahre bei ihren Treffen nicht
nur als einen engagierten Mann der Kirche, sondern auch als einen
ebenso klugen wie humorvollen Menschen. In dieser Zeit begegnet Mitch Albom in Detroit, wo er lebt, Henry Covington, einem Pastor mit krimineller Vergangenheit,
dessen Schicksal eine fast unmöglich scheinende Wandlung erfahren hat. Die beiden Männer lehren Mitch Albom, die Welt und den Glauben mit neuen
Augen zu sehen - und er nimmt aus den Gesprächen mit ihnen kostbare Anstöße und Erkenntnisse mit, die sein Leben verändern.
Literatur für Schüler, Lehrer und Eltern:
Und wenn ich falle? Vom Mut traurig zu sein „Marie Thérèse Schuns“
DTV pocket reader, ab 12 Jahren; Das Buch möchte Mut machen, zu den
eigenen traurigen Gefühlen zu stehen, damit Traurigkeit genauso
zum Leben gehört wie Glück und Fröhlichsein. Im Anhang werden die
Jugendlichen vorgestellt, die bei der Entstehung mitgewirkt haben.
Du fehlst mir, du fehlst mir „Peter Pohl, Kinna Gieth“ – DTV, ab 13 Jahren
Tina und Cilia sind eineiige Zwillinge. Cilia kommt bei einem Verkehrsunfall
ums Leben. Mit Hilfe ihrer Freunde gelingt es Tina ihre Trauer
auszuleben. Ein erschütterndes und gleichzeitig tröstliches Buch.
Ausgezeichnet mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis 1996
Ratgebende Literatur für Lehrer/innen und Eltern
Margit Franz „Tabuthema Trauerarbeit“ Don Bosco Verlag
Die Autorin berichtet aus ihrer Arbeit, wie sehr sich viele Erwachsene scheuen,
mit Kindern über das Thema zu sprechen. Sie spricht die eigenen Berührungsängste im Umgang mit Verlusten bei Kindern und Jugendlichen an.
Tausch-Flammer, Daniela, Bickel, Lis „Wenn Kinder nach dem Sterben
Fragen“
Ein Begleitbuch für Kinder, Eltern und Erzieher – Herder
Spektrum; leicht verständlich werden verschiedene Aspekte angesprochen.
Das Buch enthält einen wertvollen Materialanteil, der sich
an Kinder und Jugendliche wendet und sie zum Mitmachen auffordert.
Hilfreiche Broschüren,
die kostenlos bestellt werden können:
„Vom Umgang mit Trauer in der Schule“ Ministerium für Kultus,
Jugend und Sport; Baden-Württemberg, Schlossplatz 4, 70173 Stuttgart,
Fax 0711/2792838; Eine sehr gute 41seitige praxisorientierte Broschüre
„Trauernde Kinder und Jugendliche“ – Wie wir ihnen beistehen können
Referat für Gesundheit und Umwelt Landeshauptstadt München,
Bayerstraße 28a, 80335 München
Filmmaterial:
„Mein Leben ohne mich“ Drama 2002: ab 12 Jahren; Ein Film, der eindrucksvoll
das Thema Abschiednehmen behandelt – eine Frau erfährt,
dass sie nur noch wenig Zeit hat, ihr Leben zu leben und weiht ihre
Umgebung nicht über ihr Schicksal ein.
„Das Beste kommt zum Schluss“ Komödie / Drama, 2007: ab 12 Jahren
Dieser Film zeigt eindrucksvoll, wie mit der Endlichkeit des Lebens
umgegangen wird. Die Geschichte zeigt zwei Männer, welche nicht
unterschiedlicher sein können, und die in der letzten Zeit ihres Lebens
sich noch einmal Wünsche erfüllen und einfach nur leben wollen.
